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NHL Observer

In der ersten Playoff-Runde gibt es einige Duelle, die mit einer besonderen Rivalität gewürzt sind. Beispielsweise jene zwischen den Pittsburgh Penguins und den Philadelphia Flyers, die als "Battle of Pennsylvania“ bezeichnet wird. Diese mit viel gegenseitiger Abneigung versetzte Rivalität ist historisch gewachsen und hat Tradition. Eine andere indessen ist relativ neu – aber nicht minder mit Emotionen beladen. 

Es gibt die historisch gewachsenen und traditionellen Rivalitäten. Oder auch jene, die sich durch die Änderung der Playoff-Formel 2014 mit den Erstrunden-Duellen innerhalb der Divisionen ergab. Es sind aber auch andere neue, heftige Hassduelle entstanden wie beispielsweise jene zwischen den Montréal Canadiens und den Tampa Bay Lightning. Diese Rivalität gehört nicht zu den historisch gewachsenen NHL-Feindschaften wie jene der "Habs“ mit den Toronto Maple Leafs oder mit den Boston Bruins. Auch jene mit den Ottawa Senators ist älter. Nein, diese Rivalität ist jung – und dennoch sehr aufgeladen. Innerhalb von etwas mehr als einem Jahrzehnt hat sich aus zunächst emotional unspektakulären Duellen eine Hassliebe entwickelt, die auch sportlich zu den intensivsten der Liga zählt.

Playoff-Historie prägte die neue Rivalität

Drei Serien bilden das Rückgrat dieser neuen Rivalität: 2014 demütigten die "Habs“ die "Bolts“  mit einem 4:0-Sweep. Ein Jahr später eliminierte Tampa die Canadiens mit 4:2-Siegen. Die Festigung der Rivalität markierte die Stanley-Cup-Finalserie 2021. Das war ein zentraler emotionaler Wendepunkt: Die "Bolts“ setzten sich damals durch, doch das sportliche Resultat war nur ein Teil der Geschichte. Für nachhaltige Schärfe sorgten Begleitumstände (unter anderem unterschiedliche Covid-Verordnungen), aber allen voran die Aussagen von Nikita Kucherov nach dem Titelgewinn. Seine spöttischen Bemerkungen über die begeisterungsfähigen Fans in Montreal trafen einen empfindlichen Nerv in der Provinz Québec. Kucherov gilt seitdem als arrogantes Feindbild und er befeuert dies zusätzlich mit seinem Verhaltensmuster und der Körpersprache. 

Kulturelle und personelle Verflechtungen

Ein wesentlicher, oft unterschätzter Faktor sind die kulturellen und personellen Verflechtungen. Die Lightning waren über Jahre hinweg stark von frankokanadischen Einflüssen geprägt. Zwei prägende Figuren in der Teamhistorie sind Vincent Lecavalier und Martin St. Louis – beide aus der Provinz Québec, beide Identifikationsfiguren einer Ära, die den Klub nachhaltig formte. Dass Marty St. Louis heute als Cheftrainer der Canadiens an der Bande steht, ist ein interessanter Fun-Fact. Diese Verbindung setzte sich bis in die Gegenwart fort. Heute mit Spielern wie Yanni Gourde oder Charles-Édouard D’Astous sowie General Manager Julien BriseBois.

Provokationen, Schlägereien und überharter Einsatz

Auch in dieser Saison war zu spüren, wie aufgeladen die Duelle zwischen den beiden Teams sind: Die Partien waren geprägt von Provokationen, Schlägereien und überhartem Einsatz. Auch in der Schlussphase der Saison ging es hoch zu und her. Zunächst im Spiel in Tampa und danach in der viertletzten Partie der regulären Saison in Montreal. Beide Male mit dem sportlich besseren Ende für Montreal. Interessant hierbei: Tampa Bay ist diese Saison die meistbestrafte Mannschaft der NHL. 

Diese Rivalität ist intensiv, weil sie sportlich, psychologisch und kulturell aufgeladen ist. Sie ist zwar neueren Datums – aber längst echt.

Joël Ch. Wuethrich publiziert wöchentlich Hintergrundberichte über die NHL in der führenden Deutschen Fachpublikation Eishockey News und hat ein ausgezeichnetes Beziehungsnetz in Nordamerika. Seit 1992 ist er Chefredaktor diverser namhafter Publikationen, unter anderem auch war er beim Slapshot sowie beim Top Hockey Chefredakteur und war zudem lange Jahre für den Spengler Cup strategisch in Marketing und PR sowie als Chefredaktor tätig. Joël Ch. Wuethrich leitet seit 1992 hauptberuflich eine crossmedial aufgestellte PR-Agentur und eine Player's Management Agentur (Sportagon), ist Crossmedia-Stratege und HF-Dozent mit Lehrauftrag für Kommunikation und Marketing. Er analysiert seit 30 Jahren als Autor/Chefredakteur in der Schweiz, Deutschland sowie in Kanada die NHL und beobachtet das Eishockeygeschehen weltweit intensiv. Der Familienvater (zwei Kinder) arbeitet in der Schweiz und in Montréal, wo ein grosser Teil seiner Verwandtschaft wohnt.

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