Die Rivalität zwischen Kanada und den USA ist nicht nur sportlich, sondern strukturell intensiver denn je, weil die Talentbasis beider Nationen sich in den letzten Jahren stark angenähert hat. Die USA verfügen über eine enorme Dichte an Stürmern im Alter zwischen 20 und 27 Jahren, während Kanada gleichzeitig auf eine Generation setzt, die bereits international Erfolge feierte.
Hockey Canada und USA Hockey haben – so wie auch andere Nationalverbände - bereits im Laufe des Spätsommers ihre ersten sechs gesetzten Spieler kommuniziert. Auston Matthews, Jack Eichel, die Brüder Matthew und Brady Tkachuk sowie die Verteidiger Quinn Hughes und Charlie McAvoy wurden bei den USA bereits gesetzt. Bei Team Canada sind dies Connor McDavid, Nathan MacKinnon, Sidney Crosby, Cale Makar, Sam Reinhart und Brayden Point.
Internationale Erfahrung oder Jugend?
Doch gerade die noch (vielen) offenen Positionen sorgen seit Wochen bereits für intensiven und teilweise kontroversen Austausch. Verantwortlich dafür ist nicht nur die enorme Kadertiefe, sondern vor allem die Tatsache, dass in der aktuellen NHL-Saison zahlreiche junge Spieler ihren Durchbruch erleben und damit die Diskussion ausgelöst wird, wie hoch die Gegenwartsrelevanz einbezogen wird und wie viel Risiko man eingeht mit jüngeren Spielern an einem solch prestigeträchtigen Turnier. Traditionell ist es so, dass bei den kanadischen und amerikanischen Coaching-Staffs der Hang besteht, für das Secondary Scoring und bei den Rollenspielern eher international erfahrene Cracks einzusetzen. Erfolge der letzten Jahre an Olympischen Spielen und beim 4-Nations-Turnier bestätigen sie jeweils in ihren Kaderentscheidungen.
Die Formkurve einiger Kandidaten in den nächsten Wochen wird daher entscheidend sein, ob eine Nomination erfolgt. Die Kader-Verantwortlichen haben betont, dass dies ein wesentliches Kriterium sein wird.
Die Qual der Wahl auf allen Positionen – mit einer Ausnahme
Die Debatte um jene Spieler, die erst seit kurzer Zeit prägen oder in der laufenden Saison einen starken Leistungsschub zeigen, ist aber seit Monaten lanciert und erreicht gerade einen neuen Höhepunkt. In Kanada richtet sich der "Blick" dabei unter anderem auf Macklin Celebrini, der in seiner Sophomore Season nicht nur die Erwartungen übertrifft, sondern nach Einschätzung verschiedener Analysten in Tempo, Kreativität und Entscheidungsfreude unbedingt ins Team Canada gehört. Aber die Frage, ob man einem 19-Jährigen ein solches Turnier zutraut, spaltet die Diskussion: Die einen verweisen auf das enorme Potenzial, die anderen auf die Risiken, einen unerfahrenen Spieler an ein solches Turnier zu schicken. Auch Connor Bedard steht zur Diskussion – mit ähnlichen Vorbehalten. Gleichzeitig wird auch heiss diskutiert, ob man Spieler wie beispielsweise Morgan Geekie (Boston Bruins) als Rollenspieler und Secondary Scorer berücksichtigen solle, „nur weil er ausgerechnet diese Saison einen Lauf habe“. Ganz sicher heftig debattiert werden auch Personalien wie jene von Nick Suzuki – dem überragenden Zwei-Weg-Center der Montréal Canadiens. Ein Problem wird wahrscheinlich ausgerechnet jene Position sein, die während Jahrzehnten bei Team Canada als Stärke galt: Die Goalies. Nur wenige sind aktuell wirklich in Topform und so wird man wohl auf Jordan Binnington, Logan Thompson und vielleicht Adin Hill setzen müssen.
Ähnlich kontrovers verläuft die Debatte in den USA. Dort hat sich eine junge Generation von Stürmern in den Vordergrund gespielt, die mit ihrem Tempo und ihrer Kreativität zu einem modernen, sehr dynamischen amerikanischen Spielstil passen. Namen wie Cutter Gauthier oder auch Adam Fantilli tauchen in zunehmendem Masse auf. Analysten betonen immer wieder, dass diese Athleten die neue Generation der US-Talentförderung verkörpern. Aktuell käme man auch nicht um zwei Spieler herum, die zuletzt nicht für das 4-Nations-Turnier berücksichtigt wurden: Lane Hutson (Calder Trophy Gewinner 2025) und Cole Caufield (beide Montreal). Und natürlich sind Jack und Luke Hughes im engsten Favoritenkreis ebenfalls vorgemerkt.
Diametral zur Situation bei Hockey Canada ist die Lage bei der Torhüterposition: Hier hat man ein Luxusproblem. Connor Hellebuyck war über Jahre hinweg der statistisch zuverlässigste amerikanische Goalie. Jake Oettinger und Jeremy Swayman könnten die Favoriten sein für die weiteren Plätze.
DE