Bei den Montréal Canadiens etwa war es nicht nur der hochveranlagte Ivan Demidov, der das sehr effiziente zweite Offensivtrio zusammen mit Juraj Slafkovsky prägte. Da hat sich nämlich auch Oliver Kapanen seit Saisonbeginn nicht nur einen Stammplatz erkämpft, sondern auch noch eine Schlüsselrolle übernommen als Zweitlinien-Center sowie im Boxplay. Dies dank seiner sehr intelligenten und reifen Spielanlage. Der Lohn kam nun auch noch in Form eines Aufgebots für die finnische Olympia-Nationalmannschaft. Kapanen ist also nicht nur taktisch ein wichtiger Spieler geworden und ist auffällig oft an Spielsituationen beteiligt, die das Momentum zugunsten Montreals kippen, sondern aktuell zudem auch noch der beste Torschütze aller Rookies und Fünfter in der Punkteausbeute bei den NHL-Neulingen. Dank Kapanen spricht man in Montreal aktuell nicht mehr von einem Problem im Secondary-Scoring oder einer Dringlichkeit, einen weiteren Zweitlinien-Center zu verpflichten. Ausserdem überbrückte er die Verletzung von Kirby Dach – den er nunmehr wohl sogar verdrängte in der zweiten Sturmreihe.
Offensiv sichtbarer als man es erwartete war auch Beckett Sennecke in Anaheim. Auffällig war, wie die meisten seiner Treffer entstanden. Und zwar durch konsequente Präsenz vor dem Slot und überwiegend aus Fünf-gegen-Fünf-Situationen. Stark agierte bisher auch Linus Karlsson in Vancouver. Sein Spiel ist auf Effizienz ausgerichtet: wenige, dafür gut vorbereitete Abschlüsse, konsequente Positionierung im Abschlussraum und eine überdurchschnittliche Quote bei hochwertigen Chancen. Ähnlich verhält es sich bei Fraser Minten (Boston Bruins), der sich bisher durch Zuverlässigkeit und saubere Entscheidungsfindungen auszeichnete. Er spielt sehr reif für einen Rookie. Ergänzend dazu machten weitere junge Offensivspieler wie Justin Sourdif, Andrew Kindel, Emmitt Finnie, Arseny Gritsyuk oder Michael Misa deutlich, wie breit diese Rookie-Klasse aufgestellt ist.
Zur Qualität dieses Jahrgangs gehört auch, dass einige Verteidiger und Goalies überragend agieren. So auch Zeev Buium – im grossen Quinn-Hughes-Trade involviert und leider kurz danach verletzungsbedingt ausgefallen. Besonders deutlich wurde der Stellenwert von Zeev Buium, als er im Zuge des Blockbuster-Trades zu den wichtigsten Elementen gehörte, was mehr aussagt über seinen Marktwert als jede Statistik. Buium hatte sich zu diesem Zeitpunkt als junger Verteidiger etabliert, dessen Spiel über Übersicht, saubere Entscheidungen und geringe Fehlerquote definiert ist. Für die Liga sind solche Profile handelbare Substanz, die in strategischen Überlegungen zählen. Zayne Parekh bei den Calgary Flames indes wuchs schrittweise in eine grössere Verantwortung hinein. Er war zudem auch im Junioren-WM-Team Kanadas im Dezember und Anfang Januar. Bemerkenswert ist die Abgeklärtheit von Axel Sandin-Pellikka, der bei den Detroit Red Wings erkennen liess, wie gut er unter Druck mit und ohne Scheibe agieren kann. Nicht zu vergessen: Artyom Levshunov in Chicago, der eine sehr solide erste NHL-Saison zeigt.
Bei den Rookie-Goalies hat neben Askarov bisher vor allem Jesper Wallstedt überzeugt. Der Schwede ist in Minnesota derzeit der Shooting Star. Er agiert ruhig, strukturiert - er liest das Spiel und glänzt durch sauberes Stellungsspiel und Formstärke. Wallstedt hat wohl seinem erfahrenen internen Kontrahenten nicht gerade den Rang abgelaufen. Aber er verzeichnet die deutlich besseren statistischen Werte als Filip Gustavsson und auch eine konstantere Leistungskurve. In Minnesota wird aber die Diskussion, wer nun die reale Nummer Eins sei, vermieden.
Wer macht das Rennen?
Das Rennen um die Calder Trophy 2026 für den besten Rookie des Jahres wird also, wie schon 2025, äusserst spannend und keine klare Angelegenheit. Anders als in vielen Saisons zuvor verdichtet sich die Diskussion nicht früh auf einen einzigen Namen, sondern wird von mehreren Rookies geprägt, die ihren Teams auf sehr unterschiedliche Weise Substanz verleihen. In der laufenden Berichterstattung und Analyse kanadischer Fachmedien und NHL-TV-Panels kristallisiert sich jedoch ein klares Favoritenfeld heraus. An dessen Spitze steht Ivan Demidov, dicht gefolgt von Matthew Schaefer.
Demidov oder Schaefer?
Demidov gilt in vielen Redaktionen nicht nur als Favorit, sondern als Referenzspieler dieser Rookie-Klasse. Er wäre der Nachfolger seines Teamkollegen Lane Hutson und würde somit unterstreichen, wie stark die Jungstars im Kader der Montréal Canadiens schon sind. Ausschlaggebend für Demidovs Favoritenrolle um die Calder Trophy ist weniger seine reine Talentprojektion – die war bekannt. Sondern die Effizienz, mit der er diese Fähigkeiten unmittelbar auf NHL-Niveau umsetzt. In Montreal ist Demidov längst ein offensiver Fixpunkt - auch im Powerplay. Analysten betonten mehrfach, dass Demidov nicht nur punktet, sondern „plays that matter“ produziert – also Aktionen, die Spielverläufe beeinflussen. Seine Präsenz zwingt Gegner zu Anpassungen, seine Puckbehandlung unter Druck und sein Timing sind für einen Rookie bemerkenswert reif. Auch in der Punkteausbeute spiegelt sich diese Wirkung – auch mit einer hohen Quote bei Even-Strength und ohne auffällige Abhängigkeit von der Powerplay-Produktivität. Seine Produktion wirkt also nachhaltig, nicht situativ. Der vielleicht stärkste Trumpf Demidovs ist jedoch seine Spielintelligenz. Seine Entscheidungen mit und ohne Scheibe erfolgen früh, sauber und mit klarem Ziel. Er liest defensive Rotationen, öffnet Passfenster, bevor sie offensichtlich werden, und zeigt eine Geduld, die man sonst eher bei etablierten Top-Six-Forwards findet.
Wie gewichtet man offensive Dominanz gegenüber struktureller Bedeutung?
Gleichzeitig muss man auch Matthew Schaefer als den grössten Herausforderer von Ivan Demidov nennen. Der Verteidiger der New York Islanders wird in zahlreichen Analysen als der wertvollste Rookie im Sinne des „Impact on Team“ beschrieben. Während Demidov Spiele über Offensive entscheidet, stabilisiert Schaefer ganze Spielphasen von der eigenen Zone aus. Seine Eiszeit in allen Situationen, sein Einsatz gegen gegnerische Top-Lines und seine Verantwortung im Spielaufbau sind für einen Rookie außergewöhnlich. Kommentatoren zogen mehrfach den Vergleich zu Verteidigern, die normalerweise erst nach mehreren NHL-Jahren ein solches Profil erreichen. Auch Schaefer überzeugt durch Effizienz: Seine Punkte entstehen nicht zufällig, sondern aus sauberem Übergangsspiel und klugen Entscheidungen an der blauen Linie. Seine Spielintelligenz äussert sich weniger spektakulär, aber konstant – geringe Fehlerquote, gutes Gap-Control, klare Priorisierung. Genau hier liegt auch der Kern der Debatte: Wie gewichtet man offensive Dominanz gegenüber struktureller Bedeutung?
Hinter diesem Duo folgt mit Abstand ein zweites Feld. Beckett Sennecke wird manchmal als dritter Name genannt, vor allem wegen seiner Torquote und seiner Präsenz im Spiel Fünf-gegen-Fünf. Jesper Wallstedt und Askarov tauchen in Fachanalysen als Sonderfälle auf – zwei Goalies mit starkem Einfluss, dessen Position traditionell jedoch schlechtere Chancen bei Calder-Abstimmungen hat. Aktuell kann man sagen: Demidov führt die Debatte an, weil offensive Effizienz, Punkteproduktion und Spielintelligenz im Calder-Voting historisch stark gewichtet werden. Schaefer bleibt im Rennen, weil sein Einfluss auf die Teamleistung aussergewöhnlich ist und Defensiv-Rookies dieser Qualität selten sind. Entscheidend dürfte letztlich sein, ob Demidov seine Produktionslinie hält – oder ob Schaefer mit Minuten, Matchups und Verantwortung ein Gegengewicht schafft. Und nicht zuletzt wichtig: Wer hat mehr Einfluss darauf, ob sich sein Team für die Playoffs qualifiziert oder nicht?
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